Profil

 

Wir erforschen Bildungswirklichkeiten!

Der Lehrstuhl für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Berufspädagogik erforscht Bildungswirklichkeiten in der modernen Beruflichkeit und pädagogischen Professionen. Uns interessiert, wie sich Menschen als Subjekte entwerfen können und müssen. Wichtige Bezugspunkte sind aktuelle Bildungs-, Berufs- und Professionstheorien sowie Studien zur Beschleunigung und Gouvernementalität moderner Gesellschaften.

Unsere Arbeit kennzeichnet die Verbindung von grundlagentheoretischer und qualitativer Bildungsforschung. Dabei orientieren wir uns methodologisch an der Grounded Theory und arbeiten insbesondere mit Verfahren der Biografieanalyse und Kameraethnografie.

Was sind Bildungswirklichkeiten?

Bildung ist Freiheitserweiterung des Menschen: Als Bildung werden solche Lernprozesse des Enstehens und Veränderns der Selbst- und Weltreferenzen eines Menschen verstanden, in denen eine Freiheitserweiterung vollzogen wird. Man kann auch sagen, dass der Oberbegriff von Bildung die Erweiterung von Freiheit ist und die Biografie derjenige ‚Ort‘, an dem sich Bildung vollzieht. Bildungsprozesse werden beispielsweise dann erkennbar, wenn sich ein Geselle nach zehnjähriger Berufstätigkeit mit dem Gedanken trägt, ob er Lehrkraft an einem Berufskolleg werden sollte. Er wird sich möglicherweise fragen, ob er das fachliche Wissen, die kommunikativen Fähigkeiten oder die Motivation zur Bewältigung der mehrjährigen Ausbildung hat. Kurzum wird er sich reflexiv mit seinem jetzigen und bisherigen Leben auseinandersetzen, sodass er eine differenzierte und kritische Sicht auf sein Leben erhält. Genau das meint der Begriff der Bildung. Bildung bedeutet aber nicht nur die Befähigung zur kritischen Distanz gegenüber den eigenen Lebensorientierungen, sondern auch zu den gesellschaftlichen Zuschreibungen der Selbstwahrnehmung als Mensch. Wie ich mich als Mensch entwerfen kann ist sozial gerahmt und diese Rahmungen können in Bildungsprozessen ebenso reflektiert werden wie biografische Entwicklungen.

Der Lehrstuhl fühlt sich diesen beiden Dimensionen von Bildung verpflichtet und orientiert sich sowohl an kritischen, strukturalen und qualitativ-empirischen Forschungsrichtungen. Bildungswirklichkeiten zu erforschen bedeutet für uns, die Wege, Widersprüche und Chancen der Subjektivierung in unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexten sichtbar zu machen und zu analysieren.

Wie arbeiten wir?

Der Lehrstuhl bewegt sich schwerpunktmäßig im Gebiet der qualitativen Bildungs- und Professionsforschung. Kennzeichnend für die Aachener Berufspädagogik ist, dass alle unsere Forschungsaktivitäten (Drittmittelprojekte, Dissertationen) durch vier Formate der gemeinsamen Forschungsarbeit flankiert werden, die in den wöchentlichen Arbeitsrhythmus eingebettet sind: Forschungswerkstatt, Forschungskolloquium, Methodenworkshop, Theorieworkshop.