Forschung

 

Pädagogik und Beschleunigung

Problemstellung

Der Wandel moderner Gesellschaften kann unter anderem als ein Prozess der Beschleunigung technologischer, sozialer und das Lebenstempo betreffender Vorgänge verstanden werden (vgl. Rosa 2012, 2005). Weil pädagogische Professionalität sozialstrukturell und sozialweltlich verankert ist, könnte die Kategorie der Beschleunigung eventuell auch dazu geeignet sein, neue Einsichten in die Konstitution professionellen pädagogischen Handelns zu gewinnen. Bislang sind weder Zeitstrukturen noch die Kategorie der Beschleunigung professionstheoretisch aufgearbeitet worden. Im WS 2014/15 startet eine explorative Fallstudie, in der zunächst mittels kameraethnografischer Untersuchungen in Schulen folgende Teilfragen geklärt werden:

  • Inwieweit beeinflusst Beschleunigung den Strukturkern professionellen pädagogischen Handelns?
  • Inwieweit wird die Realisierung langfristig angelegter Ziele professioneller Pädagogik (Bildung, Erziehung etc.) durch beschleunigte Strukturen im Kontext von Schule beeinflusst?

Auf der Walz – Empirische Untersuchungen zur Beziehung von Biografie, Sozialwelt und Beruf in einem revitalisierten Erwerbsschema

Problemstellung

Aktuelle Untersuchungen zur modernen Beruflichkeit, zur Beschleunigung moderner Gesellschaften oder auch zu diskontinuierlichen Erwerbsverläufen betonen u.a. zwei Aspekte der gegenwärtigen Prozesse der Konstitution von Biografie und Karriere: Erstens die gestiegene Bedeutung der Selbstorganisation und zweitens das Prinzip der Gegenwartsschrumpfung. Diesen Gegenwartsdiagnosen scheinen solche Phänomene zu widersprechen, in denen sich Menschen temporär auf vormoderne Sozialisationsstrukturen wie beispielsweise die Walz einlassen. Die Studie untersucht am Beispiel der Walz die Prozesse und Bedingungen solcher Erwerbsschemata, die scheinbar gegenläufig zur Postmoderne sind. Dabei werden drei Leitfragen gestellt:

  • Warum gehen Menschen gegenwärtig auf die Walz?
  • Inwieweit kann die im Spätmittelalter entstandene Walz gegenwärtig sozial revitalisiert werden und welche biografischen Verläufe und Perspektiven kennzeichnen die Wanderschaft heute?
  • Unter welchen sozialen und biografischen Voraussetzungen gelingt eine soziale Revitalisierung der Walz auch nach Beendigung der Wanderschaft? Welche Relevanz haben dabei Identitäts- und Bildungsprozesse?

ProMobiE – Professionelle Mobilitätsberatung für multimodale Verkehrsangebote im Kontext Elektromobilität

Problemstellung

Im Rahmen des vom BMBF geförderten Verbundprojektes ProMobiE erforscht der Lehrstuhl unter anderem die konstitutiven Bedingungen der Mobilitätsberatung in Verkehrsunternehmen. Im Fokus steht die Rekonstruktion solcher Zielkonflikte, die vermutlich den Handlungsalltag der Beratenden kennzeichnen. Die empirische Studie zur Mobilitätsberatung steht im Kontext einer Reihe von Untersuchungen, an denen der Lehrstuhl beteiligt ist, in der die langfristigen Veränderungen des Ausbildungsberufsprinzips in Richtung einer modernen Beruflichkeit erfasst werden (vgl. Frenz/Unger/Schlick 2011). In diesem Zusammenhang sollen die Forschungsaktivitäten in ProMobiE folgende Forschungsfragen beantworten:

  • Inwieweit prägen Zielkonflikte die Handlungsfelder der Mobilitätsberatung?
  • Welche Fähigkeiten, Kompetenzen und biografischen Dispositionen sind notwendig, um in der Mobilitätsberatung adäquat handeln zu können?
  • Wie eignen sich die Akteure das notwendige Wissen an, um den berufsbiografischen Übergang in den Bereich der dienstleistungsintensiven Mobilitätsberatung zu bewältigen?