Unser Thema in 2020: Mythos Reflexion

 

Reflexion wird für professionelles pädagogisches Handeln als zentral angesehen. Das Reflektieren über die Reflexivität ist derzeit innerhalb der Erziehungswissenschaft en vogue, wie dies an der Vielzahl von Tagungsthemen rund um Reflexion und Reflexivität zeigt. Was bedeutet diese hohe Präsenz der Reflexion für die Disziplinen der Erziehungswissenschaft? Ist Reflexion zu einem Mythos geworden, der entmythisiert werden muss? Mythen als Erzählungen und Versprechen finden sich in der Tat in den fachlichen Auseinandersetzungen über Reflexivität im Kontext des professionellen Handelns. Zum Beispiel in der Form, dass Zukunftserwartungen bzw. Inhalte und Formate von Reflexivität im Kontext von Professionalisierungsprozessen gesetzt, häufig aber nicht in ihrer Normativität benannt werden. Typische sinngemäße Formulierungen solcher Erzählungen sind:

  • „LehrerInnen müssen ihr eigenes Unterrichtsverhalten reflektieren können“
  • „In der Bezugspersonenarbeit muss ich wissen, wie ich auf die Klienten wirken (kann)“
  • „Ich muss eine angemessene professionelle Distanz wahren können, damit ich mich von einem Laien unterscheidbar mache“

Spannend erscheint uns, die Geltungsansprüche und unausgesprochenen normativen Setzungen in den Blick zu nehmen, die mit Reflexion im Bereich des professionellen pädagogischen Handelns behauptet werden.