Forschung

 

Wir erforschen Bildung und wie innovative Lehrer*innenbildung umgesetzt werden kann!


Wir denken, dass diese Gesellschaft stark darin ist, Innovation zu erzeugen und Selbstoptimierung durchzusetzen. Sie ist aber schwach darin, den Menschen den notwendigen Raum zu geben, gesellschaftliche Veränderungen konstruktiv und verantwortlich zu verarbeiten. Weit verbreitet ist die Haltung, das pädagogische Geschehen sei im Sinne der Machbarkeit und der Kontrollierbarkeit des Lernens zu gestalten. Die Grundausrichtung dieser Haltung steht unserer Ansicht nach nicht im Einklang mit den existenziellen Rahmenbedingungen innerhalb derer wir leben: Wir können als Individuum nicht entscheiden, ob wir geboren werden wollen oder dass wir nicht sterben werden. Wir werden auch nicht gefragt, ob wir krank werden wollen. Wenn wir aber in den wesentlichen Fragen des Lebens nicht die Entscheidungsmacht haben, dann stellt sich die Frage, ob Machbarkeit und Kontrolle die einzig richtigen Orientierungsmuster sein sollten, um Pädagogik zu betreiben. Humanität hat unserer Meinung nach wesentlich damit zu tun, diese Realitäten des Lebens anzunehmen und nicht aus dem Blick zu verlieren. Pädagogik und Erziehungswissenschaft müssen sich mehr mit den Fragen befassen, wie wir als Menschen mit dieser Verfasstheit des Lebens glücklich werden können. Dazu gehört auch zu zeigen, wo Grenzen, Störungen, Widersprüche und Bruchlinien des pädagogischen Anspruchs verlaufen – in der Lehrer*innenbildung und in Schulen. In Anlehnung an Carlo Strenger formuliert suchen wir nach Wegen, wie Menschen Frieden, Freiheit, Demokratie und Glück als Errungenschaften sehen lernen; als etwas, das uns nicht per se gegeben ist, sondern für das wir etwas tun müssen – ohne der Illusion pädagogischer Machbarkeit und Verfügbarkeit Folge zu leisten.

In diesem Sinne setzt unsere Arbeit an der RWTH Aachen zwei Schwerpunkte:

1. Wir erforschen Bildung!


Bildung verstehen wir grundlegend als solche Lernprozesse, in denen sich Menschen Neuem zuwenden. Das kann geschehen, wenn gewohnte Problemlösungswege nicht mehr funktionieren, reframing und das Eintauchen in ungewohnte neue Szenarien notwendig werden. Bildung kann Neues erzeugen, wenn die eigene Sozialisation fragwürdig wird und sich ein Mensch nicht mehr auf eine So-und-so-Bestimmte Identität reduzieren lassen will und das Plappern des Identitätsnarrativs mal für einen Moment beiseitestellen kann.

Aktuell verfolgen wir am Lehrstuhl drei Richtungen von Bildungsforschung:

  • Konzeptionelle Bildungsforschung
  • Rekonstruktive Bildungsforschung
  • Historisch-systematische Bildungsforschung

2. Schule und Lehrer*innenbildung anders denken!


Der Lehrstuhl kooperiert mit regionalen Schulen und erforscht pädagogische Innovationen im Bildungsbereich. Aktuell setzen wir uns mit der Frage auseinander, wie sich Schulen und die Lehrer*innenbildung durch achtsamkeits- und mitgefühlsbasierte Interventionen langfristig weiterentwickeln können (z.B. durch Implementation von SEE-Learning, Einrichtung von Encounter groups, Meditationsgruppen an Schulen und Universitäten etc.). Wir orientieren unsere Forschungsarbeit mit Schulen an den Ansätzen des Action Research, aktuellen Ansätzen der Bildungsforschung und der Organisationsentwicklung. Wir legen Wert darauf, auf Augenhöhe mit Schulen gemeinsam Lösungen für Probleme zu entwickeln, die die Akteure der Praxis als drängend erleben. Wir kultivieren mit Schulen soziale Räume des gemeinsamen Lernens, erforschen Effekte von Interventionen empirisch und bewerten die entwickelten Lösungen kritisch.

Die Erkenntnisse fließen unter anderem in die Gestaltung des bildungswissenschaftlichen Studiums ein (z.B. Bildungsprogramm „Emotionale Bildung“).

SEE-Learning


Der Lehrstuhl ist eng in die Implementation und Weiterentwicklung des internationalen Bildungsprogramms SEE-Learning involviert. Am Lehrstuhl arbeiten fünf zertifizierte Facilitators bzw. Instructors, die Bildungseinrichtungen bei der Einführung von SEE-Learning beraten und begleiten können.