Profil

 

Das Lehr- und Forschungsgebiet Heterogenität fokussiert aus einer praxeologischen Perspektive die Performanz von Heterogenitätsphänomenen in schulischen und außerschulischen Sozialisationsfeldern. Mit qualitativen Forschungsdesigns werden heterogene Lebenswelten bezüglich der Perspektiven und Praxen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Fokus auf die Selektionsmechanismen rund um die Bildungslaufbahn untersucht. Der im Rahmen einer Inklusionspädagogik geführte Diskurs um Anerkennung von Verschiedenheit kann dadurch um empirische Befunde ergänzt werden, die zu einem reflexiven Umgang mit Heterogenitätsphänomenen herausfordern.

Lehre


Daran anknüpfend werden Lehrformate angeboten, die die Vermittlung von Gegenstands- und Grundlagentheorien per fallbezogener Auseinandersetzung vorsehen. Dies erfolgt unter anderem mittels Erhebung qualitativer Daten, deren Betrachtung und vor allem einer Reflexion des Erhebungsprozesses selbst durch die Studierenden. Praxisbezogene Auseinandersetzungen mit Heterogenitätsphänomen sind dementsprechend systematisch verankert.

Forschung


Empirische Schwerpunkte richten sich auf die Gemeinsamkeiten sowie Verschiedenheiten von schulbezogenen Einstellungen sowie habituellen Orientierungen und damit einhergehende Praxen der Leistungswahrnehmung und -erbringung, die zu Differenzerfahrungen gegebenenfalls Anerkennungsproblematiken im schulischen Kontext führen. Ferner werden Heterogenitätsphänomene auch als praktisch genutzte Kategorien für Distinktion und Vergemeinschaftung sowohl in schulischen als auch außerschulischen Sozialisationsfeldern betrachtet.

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LeBiAC

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„Gemeinsam verschieden sein in einer digitalen Welt – Lehrerbildung an der RWTH Aachen (LeBiAC)“ wird im Rahmen der gemeinsamen „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ von Bund und Ländern aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unter dem Förderkennzeichen 01JA1813 gefördert.

 

Aachener Abendgespräche zur schulischen Inklusion - Sommersemester 2020

Schulische Inklusion: Förderschwerpunkt Sprache

Dr. Stephanie Riehemann (Universität zu Köln)
Dienstag, 28. April 2020, 18:30 bis 20:00 Uhr
C.A.R.L., H04 (Claßenstraße)

Sprachliche Heterogenität ist eine Herausforderung für alle Lehrkräfte in (integrativen) Schulen. Sie wird bedingt durch eine Vielzahl an personalen, familiären, institutionellen und gesellschaftlichen Faktoren. Die Grenzen zwischen einem allgemeinen Sprachförderbedarf (z. B. bei Mehrsprachigkeit) und dem Förderschwerpunkt Sprache (z. B. bei Spracherwerbsstörungen) sind fließend und verlangen von Lehrer*innen ein Basiswissen zum (Zweit-)Spracherwerb und methodische Kompetenzen in Hinblick auf sprachförderliche und sprachsensible Maßnahmen im Unterricht.

Im Vortrag wird zunächst der Frage nachgegangen, unter welchen Voraussetzungen Schüler*innen ein sonderpädagogischer Unterstützungsbedarf im Bereich Sprache zugeschrieben wird. Darauf aufbauend wird gezeigt, wie Kinder in ihrem sprachlichen Lernen unterstützt und sprachliche Lernbarrieren im Unterricht abgebaut werden können. Wichtige Bausteine sind dabei der bewusste Einsatz der Lehrersprache, die Sicherung des Sprachverständnisses und die Etablierung eines kommunikativ anregenden Unterrichtsmilieus.

Dr. Stephanie Riehemann ist Sonderpädagogin und hat in den Förderschwerpunkten Sprache und Lernen unterrichtet. Derzeit arbeitet sie als Studienrätin im Hochschuldienst der Universität zu Köln am Lehrstuhl für Sprachbehindertenpädagogik. Sie lehrt und forscht zu verschiedenen Themen des sprachheilpädagogischen Unterrichts und der Kindersprachtherapie.

Zum Phänomen der inkludierten Exklusion: Neuzugewanderte Schüler*innen im deutschen Schulsystem

Prof. Dr. Lisa Rosen (Universität zu Köln)
Dienstag, 19. Mai 2020, 18:30 bis 20:00 Uhr
C.A.R.L., H04 (Claßenstraße)

Der Forschungsstand zur Bildungssituation neuzugewanderter Schüler*innen in Deutschland gilt als mangelhaft. Abgesehen von der Kritik an separierenden Formen der Beschulung finden sich erste empirische Hinweise auf (1.) eine hohe Bandbreite an Schulmodellen, (2.) variierende kommunale Zuweisungsstrategien neuzugewanderten Schüler*innen an bestimmte Schulformen und (3.) eine von den politisch-administrativen Vorgaben der Bundesländer abweichende schulische Praxis. Explorativ wird im Vortrag der Blick vergleichend und kontrastierend auf zwei verschiedene Schulformen (Hauptschule/Gymnasium) und zwei verschiedene Schulmodelle (paralleles/teilintegratives Modell) einer Großstadt in NRW gerichtet. Durch den ethnographischen Forschungszugang stehen die Alltagspraktiken und Deutungen der schulischen Akteure im Fokus; die ersten Analysen gemäß der Grounded Theory werden entlang des Phänomens der ‚exkludierten Inklusion‘ dargestellt.

Lisa Rosen ist Professorin für Erziehungswissenschaft an der Universität zu Köln und wissenschaftliche Leiterin der „Heliosschulen – Inklusive Universitätsschulen der Stadt Köln“. Ihre Arbeitsschwerpunkte in Forschung und Lehre liegen in der qualitativen und international vergleichenden sowie der migrationspädagogischen Bildungsforschung. Sie ist Link Convenor des Netzwerks „Social Justice and Intercultural Education” der EERA und Sprecherin (zus. mit Prof. Dr. Andreas Köpfer) der AG Inklusionsforschung der DGfE.

Mythos Bildung – Die ungerechte Gesellschaft, ihr Bildungssystem und seine Zukunft

Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani (Universität Osnabrück)
Donnerstag, 16. Juli 2020, 18:30 bis 20:00 Uhr
C.A.R.L., H02 (Claßenstraße)

Mit Bildung löst man kein einziges der großen gesellschaftlichen Probleme, etwa die vielen offenen Fragen der Digitalisierung, den fortschreitenden Klimawandel oder den Umgang mit globaler Migration. Selbst die aufgeheizte gesellschaftliche Stimmung oder die Konzentration von Problemlagen in bestimmten Stadtteilen wird sich durch eine Ausweitung und Aufwertung von Bildungsinstitutionen nicht abschwächen. Es geht um eine Verringerung von Chancenungleichheit, um die Erweiterung von Erfahrungshorizonten und Zukunftsperspektiven für alle Kinder und um die Vorbereitung der nächsten Generationen auf die unbekannten Herausforderungen einer zunehmend komplexer werdenden Gesellschaft. Nur darum geht es. Nicht mehr und nicht weniger.

Aladin El-Mafaalani ist seit Juli 2019 Professor für Erziehungswissenschaft und Inhaber des Lehrstuhls für Erziehung und Bildung in der Migrationsgesellschaft an der Universität Osnabrück. Gleichzeitig betreut er als Beauftragter des NRW Ministeriums für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration die "Koordinierungsstelle für muslimisches Engagement in NRW" und ist Mitglied des Beirats für Teilhabe und Integration des Landes NRW.