Wie gehen Eltern mit Cybermobbing um? Eine Analyse des elterlichen Cybermobbing-Begriffs, des elterlichen Umgangs mit Cybermobbing sowie von Einflussfaktoren auf das elterliche Handeln

Jäger, Thomas; Wosnitza, Marold Sven (Thesis advisor); Kommer, Sven Gustav Karl (Thesis advisor)

Aachen (2018) [Doktorarbeit]

Seite(n): 1 Online-Ressource (VIII, 374 Seiten) : Illustrationen

Kurzfassung

In dieser Arbeit wird untersucht, was Eltern unter Cybermobbing verstehen, wie sie mit Cybermobbing-Übergriffen auf ihre Kinder umgehen würden und welche Faktoren ihr Handeln beeinflussen. Die Arbeit bewegt sich in einem jungen Forschungsfeld, das noch vergleichsweise wenig beforscht ist und hat daher einen primär explorativen Fokus. Die überwiegende Mehrzahl der im Rahmen der Befragung verwendeten Skalen wurde, aufbauend auf Skalen zu ähnlichen Fragestellungen, neu entwickelt. Die Erfassung des elterlichen Umgangs mit Cybermobbing erfolgte über vier Vignetten, die prototypische Cybermobbing-Situationen beschreiben. Die Untersuchung wurde über eine Online-Befragung realisiert. Der bereinigte Datensatz umfasste 2765 Personen. Ergebnisse: Der Cybermobbing-Begriff von Eltern deckt sich weitgehend mit dem von Experten. „Schädigungsabsicht“ des Täters sowie ein „Ungleichgewicht der Kräfte“ zwischen Täter und Opfer werden als wichtigste Kriterien für Cybermobbing eingestuft, gefolgt von dem unter Experten nicht unumstrittenen Kriterium der „Wiederholung“ eines Vorfalls. Mit Abstand, jedoch immer noch von einer knappen Mehrheit der Eltern als relevant eingestuft, folgt der Aspekt der „Anonymität“, der von Experten nicht als Definitionskriterium für Cybermobbing angesehen wird. Das Kriterium „Ungleichgewicht der Kräfte“ wird zudem in Abhängigkeit von der Form seiner Operationalisierung als „Unterlegenheit des Opfers“ oder als „Überlegenheit des Täters“ entweder als wichtigstes oder als unwichtigstes Kriterium erachtet. Aufbauend auf eine qualitative Befragung von Experten und eine Analyse von Ratgebern, Broschüren oder Trainingsmaterialien wurden Items zur Erfassung des elterlichen Umgangs mit Cybermobbing formuliert. Aus einer Explorativen Faktorenanalyse resultierten die Skalen „Aktive Mediation“, „Instrumentelle Hilfe“, „Offensiver Umgang“, „Restriktiver Umgang“ und „Passiver Umgang“. Am häufigsten geben Eltern einen „Aktiven Umgang“ mit Cybermobbing an, gefolgt von „Offensivem Umgang“ und „Instrumenteller Hilfe“. Knapp die Hälfte der befragten Eltern gibt an, einen „Restriktiven Umgang“ zu praktizieren, ein nur sehr kleiner Teil präferiert einen „Passiven Umgang“. Die Befunde zu der Frage, inwieweit die befragten Eltern über verschiedene Situationen hinweg ein eher situationsspezifisches oder ein vergleichsweise stabiles Handlungsmuster hinsichtlich ihres Umgangs mit Cybermobbing zeigen, sind insgesamt uneinheitlich. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Ausmaß der Anwendung von „Restriktivem Umgang“ und „Instrumenteller Hilfe“ von der subjektiven Einschätzung der Bedrohlichkeit einer Situation abhängt. „Aktive Mediation“ wird hingegen über verschiedene Situationen hinweg annähernd gleich häufig angewandt. Die Befunde zu „Offensivem Umgang“ und „Passivität“ lassen sich nicht eindeutig einordnen. Nur für wenige der untersuchten Variablen lässt sich über Regressionsanalysen ein signifikanter Einfluss auf den elterlichen Umgang mit Cybermobbing nachweisen: Bildungshintergrund und Geschlecht der Eltern sowie Alter des Kindes (auf „Restriktiven Umgang“), Wissen über Cybermobbing (auf „Passiven Umgang“ und „Instrumentelle Hilfe“), bisherige Beschäftigung mit Cybermobbing (auf „Passiven Umgang“) sowie „Häufigkeit der Internetnutzung seitens der Eltern“ (auf „Restriktiven Umgang“). Deutlicher sind die ebenfalls über Regressionsanalysen nachgewiesenen Effekte, die vom Erziehungsstil wie auch vom elterlichen Umgang mit Neuen Medien ausgehen. Für jede der vier im Fokus der Arbeit stehenden Formen des elterlichen Umgangs mit Cybermobbing wurden Pfadmodelle spezifiziert: Zwei der Pfadmodelle weisen eine weitgehend identische Struktur auf: In den jeweiligen Modellen für „Aktive Mediation“ und „Offensiven Umgang“ werden die endogenen Variablen - jeweils positiv gerichtet - von dem Erziehungsstil „Liebe / Selbstständigkeit“ und „Aktiver Mediation im Umgang mit Neuen Medien“ beeinflusst. Eine ähnliche Struktur weist das Pfadmodell für „Instrumentelle Hilfe“ auf. Allerdings wird die endogene Variable hier nur (positiv gerichtet) von dem Prädiktor „Aktive Mediation im Umgang mit Neuen Medien“ und (negativ gerichtet) vom „Bildungsabschluss der Eltern“ beeinflusst. Ein abweichendes Muster zeigt sich im Pfadmodell für „Restriktiven Umgang mit Cybermobbing“. Die endogene Variable wird positiv gerichtet beeinflusst von dem Erziehungsstil „Strenge“ sowie von „Monitoring“ im Umgang mit Neuen Medien. Ein negativ gerichteter Einfluss geht von den Variablen „höchster Bildungsabschluss der Eltern“ sowie der „Nutzung des Internets“ seitens der Eltern aus. Für das Pfadmodell mit „Passivem Umgang“ als endogener Variablen konnte kein Modell spezifiziert werden, das den Kriterien für einen akzeptablen Modell-Fit genügen kann.

Identifikationsnummern

  • REPORT NUMBER: RWTH-2018-223838

Downloads