Im Spannungsfeld anwaltlicher Mediation : eine qualitativ-empirische Studie zur Rekonstruktion der professionellen Praxis mediatorischen Handelns von Akteurinnen und Akteuren in der Bereichsspezifik anwaltlicher Mediation

Wambach-Schulz, Marita Katharina; Unger, Tim Daniel (Thesis advisor); Kommer, Sven Gustav Karl (Thesis advisor); Köhler, Sina (Thesis advisor)

Aachen (2018) [Doktorarbeit]

Seite(n): 1 Online-Ressource (XII, 13-449, XI-XXIX Seiten) : Illustrationen

Kurzfassung

Die Praxis einer anwaltlichen Mediation gehört zu einem empirisch noch unerforschten Feld. Ausgangsphänomen dieser Studie ist daher die Ausdifferenzierung professioneller Praxen, die im Schnittfeld zwischen zwei Handlungsfeldern liegen und eine spezifische Bereichslogik aufzeigen. So gehört das außergerichtliche Verfahren Mediation in der rechtsanwaltlichen Praxis nicht zum genuinen Kern der Anwaltstätigkeit und impliziert eine andere, ungewohnte Rollenauslegung. Die anwaltlichen Akteur_innen werden dialogisch empathisch, neutral und allparteilich tätig, ohne eigene Entscheidungskompetenz, was die Ausgestaltung der Beziehungsverhältnisse zur Adressatenseite signifikant kennzeichnen dürfte. Ein sich daraus ergebendes, verändertes Anforderungsprofil lässt sich mit einem juristischen Hintergrund in geeigneten Fort- und Weiterbildungen in einem relativ kurzen Zeitraum erwerben und zählt zu den jüngsten Professionalisierungsaktivitäten der Anwaltschaft. Die Studie zeigt auf, wie die Akteur_innen ihre Beratungswirklichkeit in der Mediationspraxis interpretieren. Vorgestellt wird eine qualitativ-empirische Rekonstruktion, die sich mit der Frage nach spezifischen Spannungsverhältnissen in der Struktur mediatorischen Anwaltshandelns auseinandergesetzt hat. Zu fragen war auch danach, wie der paradoxale Gehalt identifizierter Spannungen interaktiv und subjektiv bewältigt wird. Um leitende Fragen zu klären, verortet sich die Studie in einem Theoriekorpus interaktionistischer Professionsgedanken und der aktuellen erziehungswissenschaftlichen Diskursdomäne der Professionsforschung und kann auf das disziplinäre Feld der Berufspädagogik bezogen werden. Als Erhebungsinstrument stand der Studie die Forschungsstrategie der Triangulation mit einerseits narrativen und andererseits problemzentrierten Interviews zur Seite. Als Auswertungssets dienten ebenso differenzierte Konzepte. Herangezogen wurden die Grounded Theory Methodologie und das Auflegen einer Theoriefolie, der unterschiedliche Konfliktpotenziale nach Helsper (2002/2016) zugrunde liegen. So wurden auf struktureller Ebene im Kern 13 konstitutive Antinomien mit gesonderten Erscheinungsformen, Potenzierungen und Strukturvarianten generiert. Darüber hinaus lagen paradoxe Widerspruchskonstellationen im Bereich meso- und makrostruktureller Rahmungen vor. Zusätzlich wurden Zwänge eines historisch gewachsenen Rechtssystems identifiziert, die eine anwaltliche Mediationshandlungspraxis signifikant prägen. Neben erwartbaren Erkenntnisgewinnen konnte die Studie in der Komplexität ihrer Ergebnisse auch überraschen. Zugleich wurden im Ausblick weitere und tiefergehende Forschungsperspektiven im Bereich professioneller Handlungsfelder sowie im Themenkreis der Mediation aufgespannt.

Identifikationsnummern

  • REPORT NUMBER: RWTH-2018-227255