Studentisches Erleben und Studienabbruchneigung : Entwicklung und Überprüfung eines multikausalen und multiperspektivischen Erklärungsmodells im Hochschulkontext

Nolden, Philipp; Wosnitza, Marold Sven (Thesis advisor); Brüsemeister, Thomas (Thesis advisor)

Aachen (2019) [Doktorarbeit]

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Kurzfassung

„Wie geht es Dir im Studium“? Auf diese Frage gibt es unzählige Antworten, die sowohl Zufriedenheit als auch eine Abbruchneigung beinhalten können. Ziel dieser Arbeit ist eine systematische Strukturierung und empirische Analyse, welche dieser möglichen Antworten als Faktoren des studentischen Erlebens bedeutsam für die Erklärung der Studienabbruch- neigung sind und in welcher Relation diese zueinanderstehen. Die Modellentwicklung basiert auf einer systemtheoretischen Beschreibung der Funktionen des Bildungssystems, der Organisation Hochschule und des Interaktionssystems Studiengang sowie der Diskussion von wert-erwartungstheoretischen Ansätzen. In Verbindung mit der Aufarbeitung des aktuellen Forschungsstandes werden als zentrale Prädiktoren der Studienabbruchneigung die Studienzufriedenheit und die Evaluationskriterien ‚Studienleistung‘, ‚Berufliche Perspektive‘ und ‚Intellektuelle Entwicklung‘ abgeleitet. Dieses Basismodell wird um Faktoren aus den Bereichen ‚Hochschulressourcen‘, ‚Individuelle Ressourcen‘, ‚Motivation‘, ‚Interne Rollen‘, ‚Externe Rollen‘ und ‚Wertbindungen‘ erweitert. Die empirische Untersuchung der Modelle erfolgt in drei fragebogenbasierten Studien. In Studie I (N=261) wird das Instrumentarium explorativ validiert. Die theoretisch abgeleiteten Modelle werden in Studie II (N=675) unter Berücksichtigung der Bildungsherkunft überprüft. Studie III (N=1162) testet als Replikationsstudie die Stabilität der ermittelten Erklärungsmuster differenziert nach Geschlecht und Studienrichtung. Die spezifizierten Strukturgleichungsmodelle passen in Studie II gut zu den Daten und tragen deutlich zur Varianzaufklärung der Studienzufriedenheit (40 bis 66 Prozent) und der Studienabbruchneigung (40 bis 63 Prozent) bei. Die Modellstrukturen können in Studie III bei nochmals gesteigerter Varianzaufklärung des Basismodells überwiegend repliziert werden. Als ein zentrales Ergebnis kann festgehalten werden, dass Studienzufriedenheit und Studienabbruchneigung voneinander abgrenzbare Konstrukte sind, die in unterschiedlichen Erwartungsstrukturen begründet sind. Daneben unterscheiden sich einige Modelle nach Geschlecht, Studienrichtung und Bildungsherkunft, insbesondere in der Erklärung und Wirkung der genannten Evaluationskriterien. Unabhängig davon trägt das Modell der Motivation am meisten zur Varianzaufklärung der Studienzufriedenheit und der Abbruch- neigung bei. Zudem zeigt sich, dass bivariate lineare Erklärungen in komplexen Modellen teilweise zu kurz greifen, denn bestimmte Faktoren wirken je nach Pfad sowohl positiv als auch negativ auf die Studienabbruchneigung (Suppressionseffekt). Die Aufnahme dieser empirischen Komplexität in die Theorieentwicklung und empirische Untersuchungen ist eine an die Arbeit anschließende Herausforderung. Die Ergebnisse dieser Arbeit können für die Bestimmung von Zielsetzungen, möglichen Nebenwirkungen und geeigneten Wirksamkeits- indikatoren von hochschulpraktischen Maßnahmen eine Grundlage bieten.

Identifikationsnummern

  • REPORT NUMBER: RWTH-2019-00093

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