Genuines videobasiertes E-Learning in der Lehrerbildung: mediendidaktische Modalitäten der Nutzung von Learning Management Systemen

Mühlhausen, Jan; Kommer, Sven (Thesis advisor); Schönweiss, Friedrich (Thesis advisor)

Aachen (2020) [Doktorarbeit]

Seite(n): 1 Online-Ressource (227 Seiten) : Illustrationen, Diagramme

Kurzfassung

Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel einer idealtypischen Modellbildung für genuine E-Learning-Szenarien zur videobasierten Unterrichtsanalyse, die es angehenden Lehrerinnen und Lehrern ermöglichen, berufliche Kompetenzen teilautonom in virtuellen Lernumgebungen zu erwerben. Nach einem kurzen historischen Abriss der Bedeutung von Medien in der Pädagogik wird zunächst nachgezeichnet, wie sich in den vergangenen Jahrzehnten die Nutzung elektronischer Medien in der Ausbildung im Allgemeinen und der Einsatz der Unterrichtsvideographie in der Lehrerausbildung im Besonderen verändert hat - angestoßen vor allem durch technische Entwicklungen. Unterrichtsvideos werden zur beruflichen Qualifizierung angehender Lehrerinnen und Lehrer eingesetzt, v.a. zur Beobachtungsschulung, zur Veranschaulichung didaktischer Kategorien und von Umsetzungsmöglichkeiten didaktischer Modelle sowie als fundierte, objektive Basis zur Unterrichtsanalyse und -Reflexion. Videoszenen aus unterschiedlichen Quellen (Dokumentationen von authentischem Unterricht erfahrener Lehrer/innen, Eigenvideos vom Ausbildungsunterricht und videografierte Unterrichtssimulationen) konfrontieren Betrachter mit ihren individuellen Wahrnehmungsstereotypen, Beobachtungslücken und -fehlern ermöglichen es ihnen, sich damit auseinanderzusetzen. Seit der Millenniumwende werden - nicht nur in der Lehrerausbildung - viele unterschiedliche Digitalisierungskonzepte zur Unterstützung von Lehr- und Lernprozessen unter der übergreifenden Bezeichnung „E-Learning“ eingesetzt. Als „E-Learning“ wird dabei üblicherweise jegliche Nutzung elektronischer Medien in Bildungskontexten bezeichnet, also auch solche eher ‚handwerklichen‘ Tätigkeiten zur effizienteren Unterstützung dieser Prozesse wie die Erleichterung des Informationsaustauschs oder die Organisation des Lehr- und Prüfungsbetriebs. Die theoretische Grundlage des in dieser Arbeit entwickelten Konzepts für videobasierte E-Learning-Szenarien ist eine Präzisierung des Begriffs „E-Learning“ durch das ergänzende Attribut „genuin“. Dieses wird von einem allgemeinen, primär technik- und prozessorientierten Verständnis dieses Begriffs abgeleitet und um sowohl konstitutive als auch fakultative mediendidaktische Modalitäten ergänzt. Damit verbunden ist die Prämisse, dass technische Funktionalitäten lediglich eine der notwendigen Bedingungen jener Digitalisierungsstragien darstellen, die erfolgreiches Lernen mit Neuen Medien sicherstellen sollen. Das besondere ausbildungsdidaktische Potenzial, welches videobasierte E-Learning-Konzepte in der Lehrerausbildung entfalten können und welche mediendidaktischen und technischen Merkmale diese dabei aufweisen, wird anhand einer Bestandsaufnahme etablierter universitärer Lehrerbildungsangebote herausgearbeitet. Diese Merkmale und ihre funktionalen Abhängigkeiten bilden die Grundlage für die Entwicklung eines idealtypischen Meta-Modells videobasierter E-Learning-Systeme in der Hochschullehre. Das Beispiel der vom Autor entwickelten Plattform zur „Web-Basierten Analyse von Unterricht“ (WBA.HANUB.DE) veranschaulicht exemplarisch die Komplementarität dieser didaktischen Modalitäten und technischen Funktionen. Daran anschließend wird eingegangen auf ethische Besonderheiten und juristische Einschränkungen, die bei der Entwicklung und Nutzung unterrichtsvideografischer Medien zu beachten sind. Vorgestellt und diskutiert werden konkrete Fallbeispiele, die rechtlichen Vorgaben auf Bundes-, Landes- und regionaler Ebene sowie die Auswertung einer Befragung der Datenschutzbeauftragten der 16 Bundesländer zu datenschutzrechtlichen Aspekten der Unterrichtsvideographie. Diese Ergebnisse fasst ein Leitfaden zusammen, der zur Planung und Durchführung von Unterrichtsvideografie-Projekten herangezogen werden kann, um eine frühzeitige Berücksichtigung der ethischen, datenschutz- sowie verwertungsrechtlichen Ansprüche aller beteiligten Parteien sicherzustellen. Abschließend wird das Potenzial genuiner videobasierter E-Learning-Szenarien den juristischen, politischen, logistischen und ökonomischen Problemen ihrer Umsetzung gegenübergestellt.

Identifikationsnummern

  • REPORT NUMBER: RWTH-2020-06898

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